26. Tage der deutschsprachigen Literatur

Eine Veranstaltung der Landeshauptstadt Klagenfurt und des ORF Landesstudios Kärnten in Zusammenarbeit mit 3sat und freundlicher Unterstützung der Telekom Austria.

Tage der deutschsprachigen Literatur 2002 - die aktuellen Informationen

Pressespiegel

Diskussion nach Lesung von Peter Glaser

"Kompliment, ich bin sehr angetan."

Thomas Widmer: Die Pyramiden sind nicht allein wegen ihrer Hohlräume so faszinierend, sondern auch wegen der Kammern. Der Autor schafft es auf ähnliche Weise, ein Nichts zu schaffen und zu schützen indem er es umkreis. Das liege an der ungeheuren Kraft, mit der er mit Bildern umgeht. Er schaffe es, Bilder zu prägen, die mich faszinieren und stimmig sind. Das einzige, was ihn störe sei das Wort Güterdämmerung. Auf kurzem Raum werde unheimlich viel erzählt, was er spannend finde, sei, dass im Zentrum der ganzen Handlung ein Nichts sei. Der Erzähler ist willens, das Nichts zu schützen und einzudämmen. "Kompliment, ich bin sehr angetan."

Text gut vorgetragen

Pia Reinacher: Die Literatur handelt häufig von Nichts. Der Text könnte ein Spiegel der sprachlichen Geröllhalde sein, doch sie habe dennoch Probleme damit. Sie sehe keine Logik, sehe nicht, worauf der Text hinauslaufe. Es gebe sehr viele Schauplätze, diese gewinnen rein handwerklich zu wenig Konturen. Dasselbe gelte für das Personal. "Auch das Nichts muss sich erklären". Es müsse auf die Bühne treten und eine Identität oder eine Nicht-Identität bekommen. Der Text sei sehr gut vorgetragen worden.

Nichts ist das Glück

Konstanze Fliedl: Der Text sage ausdrücklich, dass das Nichts das Glück sei. "Das scheint heuer überhaupt das Jahr des Verwandtensterbens zu sein, hier in Klagenfurt", pointiert Fliedl. Die Einzelgeschichten würde sie gerne verfolgen, aber die Panoptikumstruktur des Textes irritiere sie. "Der Text verlangt ein Mithüpfen". Sie komme sich vor, als werde ihr etwas hingehalten und gleich wieder entzogen.

"Sehr gelungen"

Robert Schindel meinte darauf, wenn Herr Glaser das so gewollt hätte, hätte er das so gemacht. Die Struktur sei ein Abschied von einer Familie, kurzes Genießen einer Liebe und Abschied davon. Rundherum passierte ungeheuer viel. "Es gibt dieses Nichts nicht". Der Autor gehe einen bestimmten Weg, er eilt nach dem Tod des Onkels der Tante hinterher. "Es ist eine Strukturanalyse einer Trauerarbeit, die eingebettet ist in die Turbulenzen von zwei Kontinenten und ihren Menschen". "Sehr gut gelungen, gratuliere".

Birgit Vanderbeke: Die Geschichte sei eine Parodie auf das "Globale", sie nehme das Panoptikum nicht übel. Es sei eine Geschichte voller Ratlosigkeit und unglaublicher Melancholie. Sie taste sich an die Ratlosigkeit heran. "Das hat mich sehr bewegt".

Burkhardt Spinnen: "Das hat mir auf eine kopflastige Weise sehr gut gefallen". Es bestehe die Gefahr, dass die Geschichte einen in etwas hineinzieht, was sie nicht ist. Sie zeigt, dass jemand mit einer Zapping-Mentalität an ein Ende kommt. Es sei der erste Text, der dem 11. September angemessen begegne. Ein bisschen schwierig am Text sei, dass die psychologischen Angebot etwas altmodischer und konventioneller sind als der Gesamtentwurf. Der betrogene Liebende bleibe eine Figur, die das Unverrückbare und Nichtveränderbare zur Konstante macht.

"Mehr kann man von Literatur nicht erwarten"

Denis Scheck sagte zu seinem Autor, er verfolge Glaser seit vielen Jahren, "er bereichert meine Seele mit seinen Texten". Es gehe um die Abbildung einer Struktur, die man lebe. Der Text versuche, nicht zu lügen, sondern sich einer Wahrheit zu nähern. "Ich finde die Bilder sensationell". Die Geschichte berühre ihn, mehr könne er von Literatur nicht erwarten.

"Nicht in Scheck´sches Pathos einstimmen"

Pia Reinacher wollte nicht in "das Scheck´sche Pathos" einstimmen. Sie verglich mit Elfriede Jelinek, wie sie den Leuten auf den Mund schaue und das ausdrücke. Scheck entgegnete, das Glaser der Welt gegenüber mit einen "Ja" begegne, Jelinek mit einen großen "Nein". Daher finde Glaser nicht alles grauenhaft.

Für Konstanze Fliedl sagte, die Einteilung von Autoren, ob sie Ja oder Nein zur Welt sagen, das "haue" sie nieder. Der Text sei für sie da am schönsten, wo er traurig sei.

Robert Schindel meinte zum Schluss, ein Zitat von Freud treffe auf den Text zu: "Glück ist, wenn alle Schrecknisse..des Lebens nicht auf einmal auf einen zukommen."

Redaktion: Petra Haas, Dolores Hibler


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