Ab morgen in Fortsetzungen: Antje Rávic Strubels
Episodenroman "Unter Schnee"
Von unserem Redaktionsmitglied
Susanne Schulz
Berlin.
Vielschichtige Formen von Distanz machen die Faszination der Texte von
Antje Rávic Strubel aus. So war es bei ihrem Roman "Offene
Blende", dessen Fortsetzungsabdruck in unserer Zeitung gerade zu
Ende gegangen ist; so ist es beim Nachfolgeband "Unter Schnee",
den wir ab morgen an dieser Stelle veröffentlichen.
Im Debütroman "Offene Blende" war es Jo alias Christiane,
die als Ostdeutsche in New York über räumliche und emotionale
Distanz zur eigenen Herkunft ihren Weg sucht; in "Unter Schnee"
wird der "Stillstand der Liebe" von Evy und Vera zur polyphonen
Kettengeschichte. Beide Male bedient sich die Autorin konsequent dramaturgischer
und sprachlicher Formen, die im einen Fall das fotografische Grundmotiv,
im anderen die kühle, schlaglichtartige Sicht auf die Beziehung der
beiden zentralen Figuren aufgreifen. Was als Monolog beginnt, zieht bald
immer größere personelle Kreise, die allmählich ein Bild
entstehen lassen und doch nicht über dessen Unvollständigkeit,
über den Ausschnitt-Charakter jeder einzelnen Beobachtung hinwegtäuschen.
Der Erfolg des Erstlings hat die Arbeit am zweiten Buch nicht beeinträchtigt:
",Offene Blende' war längst abgeschlossen, als ich an ,Unter
Schnee' gearbeitet habe", berichtet sie. So sei sie nicht in die
Gefahr geraten, sich von den Kritiken beeinflussen zu lassen. "Immer
auf dieselbe Art zu schreiben, wäre keine Herausforderung für
mich", sagt Antje Strubel. Jeder Stoff verlange eine andere Form:
"Manchmal interessiert mich sogar die Form mehr als die Geschichte."
Der Schublade entgangen
Und je größer die Distanz zur Geschichte, desto besser könne
sie schreiben, sagt die 27-Jährige. Was auch eine Antwort ist auf
die oft erlebte Schlussfolgerung, ihre Bücher seien autobiografisch.
Sicher, wie Jo hat sie eine Zeit lang in New York gelebt und an einem
Theater gearbeitet; wie Evy und Vera ist sie eine leidenschaftliche Skifahrerin;
wie ihre Heldinnen hat sie sich bisher meist in Frauen verliebt. Aber
ihre literarischen Figuren sind "gebaut", die Autorin sucht
nicht die Identifikation
mit ihnen. Der Gefahr, in "Schubladen" gesteckt zu werden, sieht
sich Antje Strubel bislang weitgehend entgangen. Vielleicht habe die Vielzahl
der Möglichkeiten - das deutsch-deutsche Thema; die Liebesgeschichte,
eine lesbische obendrein; das Künstlermilieu - eine Festlegung auf
eine davon verhindert, mutmaßt sie.
Zwei Silben dienen der gebürtigen Potsdamerin, die nach einer Ausbildung
als Buchhändlerin Amerikanistik, Psychologie und Literaturwissenschaften
studierte, als Abstand zwischen dem realen und dem literarischen Ich:
Den Namenszusatz Rávic hat Antje Strubel "ohne jede hintergründige
Bedeutung, nur nach dem Klang" gewählt "für die nicht
beschreibbare Existenz zwischen mir und dem Schreiben".
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