Thomas Ballhausen (A)

Mit Thomas Ballhausen ging am Freitag der erste Österreicher in den Bewerb. Die Jury konnte sich  nicht darüber einig werden, ob "Cave Canem" nun ein rätselhafter oder doch völlig geheimnisloser Text ist.

Cave Canem - Hüte dich vor dem Hund

"An manchen Tagen gibt es selbst an mir nichts mehr zu entschlüsseln", stellt der Protagonist in 'Cave Canem' gleich zu Anfang fest.  Was ihm zu entschlüsseln bleibt ist eine Welt, "an der er sich wundgerieben hat", das eigene Leben in einer Metropole nach unserer Zeit, Synchronizitäten und Liebesmöglichkeiten, die in einem Tarotspiel ihr spiegelgleiches Vorbild finden. Vorgeschlagen wurde der Text von Karin Fleischanderl.

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"Postapokalytisch", aber "geheimnislos"

Huber Winkels, der als Erster versuchte, sich an den Text heranzutasten, stellte fest, dass der Text zwar versuche, sich "rätselhaft" zu geben, in Wahrheit jedoch "völlig transparent" sei. Reales und Symbolisches werde auf der Suche nach der Ursprache des Menschen im Poetischen vermischt. Auch hier habe man es - wie im Text Elmigers - mit einer postapokalyptischen Zeit zu tun, hier jedoch "völlig geheimnislos".

Thomas Ballhausen (Bild: Johannes Puch)Thomas Ballhausen (Bild: Johannes Puch)

Fleischanderl:  "Wahnsinnig gut gefallen"

"Hier haben wir es mit einer medial vermittelten Welt zu tun", meinte Karin Fleischanderl daraufhin verteidigend. Ihr habe der Text mit seinem Wechsel der Ebenen "wahnsinnig gut" gefallen: "Man weiß nie, wo man sich befindet. Ich bewundere das Geheimnis des Textes. Für mich ist er nicht so leicht zu entschlüsseln".

Karin Fleischanderl (Bild: Johannes Puch)Karin Fleischanderl (Bild: Johannes Puch)

"Text birgt einige Geheimnisse"

"Auch für mich bewahrt der Text einige Geheimnisse", so Alain Claude Sulzer, der sich, dem Text eher wohlwollend, auf die Seite Karin Fleischanderls schlug. "Der Text treibt mich weiter", er habe diese Geschichte einer "introspektiven Welt", die vielleicht auch in römischer Zeit spielen könnte, gerne gelesen".

Sulzer fühlte sich - auch durch die Sexsezne im Text - etwas  an Schnitzlers "Traumnovelle", bzw. Stanley Kubricks "Eyes Wide Shut" erinnert, meinte jedoch auch, dass der Text im "Ungefähren" bleibe. "Wie unter einer Glasglocke, ein Aquarium", so Sulzers abschließendes Urteil.

Keller: "Hier ist ein Spielprinzip am Werk"

"In diesem Text gibt es kein dickes Orientierungsseil, dem man folgen könnte - man muss mit dem Erzähler in eine fantastische Welt gehen, in der offensichtlich das Spielprinzip am Werk ist", versuchte Hildegard Elisabeth Keller ihre Leseeindrücke wiederzugeben.

"Hier schreibt ein gelehrter Autor", was durch die in den Text eingewebten Zitate (Eco, Freud, Nietzsche)  deutlich werde, ohne dass da "dick aufgetragen" würde. "Seltsam" sei die "spätantike Welt", wobei sie die erotische Szene im zweiten Teil sehr überrascht habe, da der erste Teil doch "reichlich anämisch" daherkomme.

Hildegard Keller (Bild: Johannes Puch)Hildegard Keller (Bild: Johannes Puch)

Keller in Bezug auf den Titel: "Hat jemand verstanden warum man sich vor dem Hund fürchten soll?"

Jandl: "Die Bilder generieren bloß Leere"

"Hier werden mit großem Aufwand Bilder produziert die bloß Leere generieren", kritisierte Paul Jandl, der dem Text aber auch gar nichts Positives abgewinnen wollte. "Eine einzige Nebelwerferei" sei das, so der Juror, der, um seine Argumentation zu unterstreichen, zahlreiche Textstellen zitierte.  "Der Text scheitert an seiner Sprache. Er kommt so geheimnisvoll daher, weil die Sprache vollkommen unklar ist". Es sei "absurd so zu tun" als ob der Autor "Herr seiner Bilder" wäre, so Jandl.

Fleischanderl verteidigte ihren Autor

Aber nein, versuchte Karin Fleischanderl ihre Kollegen wieder zu beschwichtigen. Der Eindruck einer Glasglocke entstehe durch den Versuch, die Vermitteltheit der Welt durch die Medien darzustellen. Die Sprache sei von großer Qualität, weil die gewählten Zitate erst im "Gefüge wirksam" würden und nicht auffielen.   

Spinnen zu Sexszene: "Gesäß geht gar nicht"

Burkhard Spinnen versuchte "ein paar Sachen anzumeinen", als er sagte: "Für mich ist die angesprochene mediale Vermitteltheit nicht sichtbar. Hier re-archaisiert einer, der Forschung betreibt. Außerdem: "Sexszenen sind immer eine Nagelprobe", so Spinnen, der viele Lacher im Publikum erntete. Aber bei dem Wort "Gesäß" sei bei ihm Schluss gewesen: "Das geht gar nicht".

Barbara Johanna Frank

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