Andreas Maier
geb. 1967 in Bad Nauheim, D
lebt in Bad Nauheim

Veröffentlichungen:

  • "Aus einem Bericht des Bauern Seidel" in: Sinn und Form 6/1999.

Foto: Markus Kirchgeßner


Der Deutsche Andreas Maier gab mit seinem Text "Diagnosestunde" Einblick in seinen Roman über Leben und Lebensphilosophie des gelehrsamen Kauzes Jacobi. Er seziert während seiner Herzuntersuchung durch Rückblenden auf seine Vergangenheit und die Geschichte die Trivialität.

Autor verdiene Krankenkassenamt als Verlag
Hardy Ruoss fand: "das macht Spaß", weil uns der Text überliste, das sei gut gelungen, hochstehend von der Sprache her, eine moderne Schweijkiade. Der herzhafte Mann mit Herzinsuffizienz hat ihn durch die direkte Rede nicht ganz überzeugt, da kippe es während des Erzählens doch zu häufig raus aus dem Indirekten, aber er sei sicher, der Autor, sollte er keinen Verlag, dann zumindest doch ein Krankenkassenamt für die Veröffentlichung gewinnen können.

Der Rächer des kleinen Mannes
Iris Radisch fragte, woher kennen wird diese Kohlhaasen, diese Rächen des kleinen Mannes am Katholizismus und am Nationalsozialismus? Der Text habe ein wunderbares Vorbild , das ist Thomas Manns bekanntes Figurenkabinett. Es sei nur in Teilen ein moralischer Text, der auch über das Vorbild Thomas Bernhard stellenweise hinausgehe. Ich habe mich amüsiert, das sei auch gelungen, weil Oldies und Evergreens gemischt werden, weil es ein bisschen mehr als Nemesis ist, meinte sie, aber junge Menschen müssen selber schreiben nicht Vorbildern nachschreiben.

Oh Gott, bitte keine Stunde im Lift mit dem...
Burkhard Spinnen habe auch mit Mann und Bernhard im Hinterkopf den Text so gelesen , er habe das Gefühl gehabt, da jongliert jemand mit brennenden Keulen, man befürchtet mit angehaltenem Atem: da, jetzt fällt was. Es ist sehr, sehr schwierig, diese Figuren zu machen, die man immer an den Straßenecken hört und wo man sich denkt "recht hat ja, aber eine Stunde im Lift mit dem , oh Gott..." aber das sei gelungen. Durch den Konjunktiv bekomme der Text Luft, es gelinge dem Autor damit wunderba, eine Bühne für diese unmögliche Figur und ihre Suada zu bauen.

Ulrike Längle gefiel der Text beim erstenmal Lesen besser, als dann beim Zuhören. Für sie blieb das Aufrollen einer Biografie hinter Thomas Bernhard zurück. Der Text sei, negativer gesagt, viel harmloser und menschenfreundlicher als die Bernhardschen Texte. Alles werde so hintereinander, so brav abgehandelt, aber trotzdem habe sie gelacht und fände es insgesamt intelligent.

Verbindung von Onanie und Hitlerzeit gelungen
Wir würden uns ja blamieren , wenn wir uns nicht vor der sprachlichen Virtuosität des Textes verneigen, sagte Denis Scheck. Zu diskutieren wäre wohl das Epigonale, das scheine eine Klagenfurter Erscheinung zu sein. Es hilft nichts, das Rad ist schon erfunden, sagte Scheck und meinte, um das Gutsherrenhafte des Textes zu korrigieren, müsse man doch ein bisschen Gegenwart reinlassen - und wandte er sich an den Autor. Inhaltlich sei die Verbindung von Onanieren und Hitlerzeit gelungen, nur die Erzählperspektive mache den Text angreifbar.

Robert Schindel war es "Wurst", ob es nach Bernhard klingt, wenn es darum gehe, "da wären wir hier im Erkenntniskabinett der Germanisten und Sprachwissenschaftler". Wenn wir meinen, es müsse jeder Autor seinen eigenen Ton haben, dann wäre das zu bekritteln, meinte er. Für ihn sei die Erkenntnis der Figur, die sagt, es habe sich nichts geändert, wichtig, die Art wie die Dinge zusammengebracht werden. Es sei ein Kabinettstück, wie deutsche Geschichte und ihre Verdrängungen verdichtet werden, sei gut gelungen.

Eilsabeth Bronfen war beeindruckt von der lustigen Art wie die deutsche Geschichte hier gezeigt wird, ihr gefiel auch der Ton, der durch die merkwürdigen Überspitzung entstehe. Interessant sei auch, dass das Subversive gleichzeitig ein Teil dessen sei , wogegen es sich richte. Die Frage , ob epigonal oder nicht, sei ihr nicht wichtig.


© 17.11.2009