Bachmannpreis ORF.at Information
FR | 11.02 | 15:49
Thomas Stangl, Lutz Seiler, Jan Böttcher (Bild: Johannes Puch)
Sonntag, 11.00 Uhr
Spannendes Finale der TDDL '07
Der Ingeborg-Bachmann-Preis wurde im ersten Durchgang vergeben und dem Deutschen Lutz Seiler zugesprochen. Der Telekom-Austria-Preis ging an Thomas Stangl. PeterLicht erhielt den 3sat-Preis und den Publikumspreis. Der Ernst-Willner-Preis ging an Jan Böttcher.
Rituale haben was Beruhigendes. Also sind in Klagenfurt, sobald der Herr Justitiar und Organisatorin Michaela Mondschein bei den Juroren Platz nehmen, die Anstrengungen der letzten Tage vergessen. Die Scharmützel der Literaturexperten fallen ins milde Licht der Erinnerung. An die Stelle der Sträuße, die ausgefochten wurden, treten Blumen für die Preisträger. (Zitat Uschi Loigge, Kleine Zeitung)
Lutz Seiler, Albert Gunzer (Bild: Johannes Puch)
Bachmann-Preis an Lutz Seiler
Die Vergabe des Bachmann-Preises konnte in einer einzigen Wahlrunde geklärt werden: Lutz Seilers "Turksib" überzeugte sechs der neun Juroren für sich. Obwohl Karl Corino meinte "Ich möchte schon auch noch in die Harfe greifen", brandete der Applaus schon vor seiner Begründung auf. Der Sieger stand nämlich schon fest.
Lutz Seiler, Albert Gunzer (Bild: Johannes Puch)
Klagenfurts Kulturstadtrat Albert Gunzer konnte Lutz Seiler den mit 25.000 Euro dotierten Bachmannpreis überreichen.
Ijoma Mangold etwa begründete sein Votum: "Ich stimme für einen Text, der mit der Kraft der lyrischen Geschmacksverstärkung, die Körper, die Länder, ihre Geschichten und Mythologien im ratternden Rhythmus der Turksib aufeinander prallen lässt."

Ilma Rakusa schloss sich dem mit der Begründung an, für "eine winterliche Zugfahrt durch radioaktiv verseuchte Gebiete Kasachstans" zu stimmen, der "zum Ort der Begegnung zwischen einer deutschen Ich-Erzählung und einem russischen Heizer, zwischen West und Ost" werde.
Thomas Stangl, Klaus Leitner (Bild: Johannes Puch)
Telekom-Austria-Preis an Thomas Stangl
Der mit 10.000 Euro dotierte Telekom-Austria-Preis ging nach einer Stichwahl zwischen Thomas Stangl und Peter Licht mit 5:4 Stimmen an Stangl.

Daniela Strigl begründete ihre Wahl mit den Worten: "Ich stimme für eine Geschichte, in der ein Ich halb ängstlich, halb freudig der Auflösung entgegentreibt, von seinem Erzähler in höchster Kunst getrieben wird, eine philosophische und sinnliche Fahrt durch Wien, die von der Lust spricht, sich in einen Löffel zu verwandeln und von dem Horror eines Lebens zwischen Rindfleisch und Radio Burgenland."
Thomas Stangl, Klaus Leitner (Bild: Johannes Puch)
Der Preis der Telekom-Austria wurde von Marketingleiter Klaus Leitner an Thomas Stangl überreicht.
Andre V. Heiz gab seine Stimme Thomas Stangl, weil "sein Text begreifend vor Augen führt, dass das Ich in diese Welt geworfen, sich aufmerksam findet - erfindet in dieser Gegenwart und Zuhandenheit all der Dinge, die sich ihm unterwegs ergeben."
PeterLicht (Bild: Johannes Puch)
PeterLicht erhielt 3sat-Preis und kelag-Preis
Mit dem "großen medialen Nichtauftritt" (Ernst A. Grandits) PeterLichts, der sein Gesicht werder den Fernsehkameras, noch den Fotografen zeigen wollte, stand dennoch ein Preisträger im Rampenlicht: PeterLicht erhielt für seinen Text den 3sat- Preis.
Margit Czöppan, Wolfgang Farkas (Bild: Johannes Puch)
Verleger Wolfgang Farkas nahm für den fotoscheuen PeterLicht den 3sat-Preis von der 3sat-Redaktionsleiterin des ORF, Margit Czöppan, entgegen.
Klaus Nüchtern etwa urteilte über den Text von PeterLicht "Ich gebe meine Stimme einem komischen wie melancholischen Text, in dem sich die Welt gleichsam wie auf Knopfdruck erhellt und verfinstert, in dem die Apokalypse auf dem Sofa sitzt und in jedem Halbsatz um Fassung ringt: Fiat Lux, PeterLicht soll es werden".
Willy Haslitzer, Jan Böttcher (Bild: Johannes Puch)
Ernst-Willner-Preis für Jan Böttcher
Nach bangen Minuten konnte schließlich auch Jan Böttcher doch noch als "Gewinner" nach Hause gehen. Er erhielt nach einer Stichwahl gegen Michael Stavaric im dritten Wahldurchgang den "Ernst Willner"-Preis.
Willy Haslitzer, Jan Böttcher (Bild: Johannes Puch)
ORF-Landesdirektor Willy Haslitzer überreichte den Ernst-Willner-Preis an Jan Böttcher.
Ijoma Mangold hatte mit der Begründung für Jan Böttcher gestimmt, das dessen Erzählung "motivisch sehr dicht gebaut" sei. Sie erzähle die Brüche und Verwerfungen der deutschen Zeitgeschichte als Familiengeschichte zwischen Großvater, Sohn und Enkel auf wunderbare Weise. "Eine Chronik deutscher Gefühle".

Iris Radisch meinte, mit Jan Böttchers Text "die große Geschichte" in der Familiengeschichte erzählt zu bekommen, der sich "tief in die deutsche Provinz vorwage" und auch mal einen Blick in Landschaft werfe, in der "wir leben".
PeterLicht (Bild: Johannes Puch)
1.155 Internet-Beurteilungen für kelag-Preis
Der Kelag-Publikumspreis (5.000 Euro) wurde bereits am Samstag durch die Stimmabgaben des Publikums im Internet ermittelt. Mit 1.155 Stimmen lag die Beteiligung in diesem Jahr nochmals deutlich höher als im Vorjahr. Knapper Sieger war PeterLicht.

Die Stimmen kamen aus: D, A, CH, Ungarn, Italien, Argentinien, Brasilien, Polen, Tschechien, Belgien, Luxemburg, Schottland, USA, Kroatien, Holland, Großbritannien, Frankreich, Schweden und Nordirland. Jeder, der seine Stimme abgab, musste auch eine Begründung mitsenden.
Josef Stocker, Wolfgang Farkas (Bild: Johannes Puch)
DAS IST NICHT PETERLICHT! Der an PeterLicht verliehene kelag-Publikumspreis wurde von Wolfgang Farkas, dem Verleger des Autors, entgegengenommen. Überreicht wurde der Preis von kelag-Marketingleiter Josef Stocker.
Nachfolgend eine Auswahl von Meinungen aus dem Publikum zum Text von PeterLicht:
  • Diese absurd-komisch-witzige Apokalypse hat mich von Anfang an fasziniert. Ich habe keinem anderen Text so aufmerksam zugehört wie diesem
  • PeterLicht verstand es mit seinen Worten mich in die Apokalypse hineinzuziehen, Schritt für Schritt. Das erste Mal, dass ich eine Ahnung bekam, wie sanft ein Umbruch daherkommen kann
  • Im Stream of Consciousness in die Hölle geschwommen - der ungewöhnlichste und witzigste der Wettbewerbsbeiträge
  • Ein text aus der unmittelbaren gegenwart - skurril, um die katastrophe kreisend, sich ständig selbst ins wort fallend und korrigierend
  • Weil PeterLicht trotz "Gesichtsverlustes" einen ironisch-ernsten Text par excellence geschrieben hat.

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Die Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit hat wieder einen Zugang am ORF-Fotoserver eingerichtet, wo Bilder zum Bachmannpreis in Druckqualität downgeloadet werden können.